Ein neuer Lenker für bessere Aerodynamik

Schon länger spiele ich mit dem Gedanken einen anderen Lenker zu montieren. Mittlerweile habe ich den Plan in die Tat umgesetzt und schreibe über meine Erfahrungen mit dem neuen Teil und der Montage.

Mit den schnellen Runden im letzten Jahr kam der Wunsch auf, die Aerodynamik auf dem Rad weiter zu verbessern, denn neben dem Rollwiderstand ist es eben der Luftwiderstand, der sich (bei gleicher Leistung) maßgeblich auf das Tempo auswirkt. Für manche hört sich das vielleicht übertrieben an angesichts der Tatsache, dass die allermeisten Leute Rennradfahren nur als Hobby betreiben. 

Auf der anderen Seite weiß aber jeder von uns, wie sehr Gegenwind das Tempo reduzieren kann. Es ist daher logisch, dass man die Aerodynamik auf dem Rad optimieren sollte, zumindest wenn man schneller unterwegs sein möchte. Das gilt für Profis wie für Hobbysportler.

Die erste Möglichkeit besteht bekanntlich darin die Sitzposition zu optimieren. In meinem Fall habe ich diese Möglichkeit weitestgehend ausgenutzt. Bis auf stark negative Vorbauwinkel und flache Steuersatzkappen ist das Potenzial bei mir bereits ausgereizt. Ein weiterer Ansatzpunkt sind die Anbauteile. Ich denke, dass dabei besonders der Lenker eine große Rolle spielt, da er sehr exponiert liegt. Das heißt, es ist einer der Bereiche, auf den die Luft zuerst trifft und bei dem es daher relativ viel Potenzial für Verbesserungen gibt. Das sieht man momentan auch im Profibereich. Dort werden in den letzten Jahren vermehrt schmale Lenker gefahren. Diese sorgen dafür, dass die Arme mehr vor dem Rumpf positioniert werden, womit der Luftwiderstand reduziert werden kann.

Ein schmaler Lenker soll drauf

Ich habe mich für einen Zipp SL70 in 38 cm Breite entschieden. Mir gefällt die Form und es ist eines der Modelle, das in der besagten Breite angeboten wird. Andere Hersteller bieten ihre Modelle erst ab 40 cm Breite an, was aber für die meisten Fahrer ausreichend ist. Schließlich bin ich selbst recht schmal gebaut. 

Ein neuer Lenker heißt, dass alle Züge sowie Lenkerband und Bremshebel entfernt werden müssen. Jetzt war es die Gelegenheit den Umbau anzugehen, mit dem ich gleich alle Züge und Hüllen erneuern konnte. Wenn man sich den Umbau vornimmt, sollte man das gleich erledigen. 

Los gehts! Diese Schritte waren für die Montage nötig: 

1. Lenkerband entfernen

2. Bremszüge rausziehen, Bremszughüllen entfernen und Bremsgriffe demontieren
In meinem Fall gibt es keine Schaltzüge sondern ein paar Di2-Kabel. Für den Umbau ist das sogar recht praktisch. Weniger Arbeit mit der Schaltung und deren Zügen, da die Di2 Kabel in die Junction-Box am Vorbau gestöpselt werden müssen. Die Bremszüge verlaufen durch den Rahmen. Um den neuen Zug besser durchfädeln zu können, habe ich beim entfernen einen Bindfaden am alten Zug befestigt und im Rahmen gelassen. 

3. Di2 Kabel und Bremszughüllen durch den neuen Lenker schieben
Lenker mit Innenverlegung fordern etwas Geschick, aber im demontierten Zustand funktioniert es recht gut. Kabel/Züge grob mit Klebeband fixieren. 

4. Lenker am Vorbau montieren und Bremshebel wieder anbringen 

5. Zughüllen kürzen
Zu kurz ist zu kurz. Zu lang funktioniert zwar, aber sieht nicht so gut aus. Die Enden sollte man schön rund aufbiegen und ggf. auch glatt schleifen. Es lohnt sich, eine ordentliche Schneidezange zu verwenden. Mir ist dabei dummerweise ein Fehler unterlaufen. Ihr solltet den Bremszug noch nicht einfädeln bevor ihr diesen Schritt erledigt. Oops 🙄 Dadurch musste ich die Züge vorn/hinten tauschen. Das hat ein bisschen Zeit gekostet. 

6. Bremszüge einführen, und ggf. am vorher angebrachten Bindfaden durch den Rahmen ziehen und in den Bremsen befestigen
Hier sollte geprüft werden, ob alle Hüllen richtig am Lenker sitzen. Tun sie das, sollten sie mit Isolierband fixiert werden. Die Bremszüge kann man vor dem einfädeln ölen oder fetten, damit sie noch leichtgängiger funktionieren. 

7. Alles fertig ausrichten und mit dem richtigen Drehmoment (besonders bei Carbonlenkern!) fest ziehen. 
Bei Carbon sollte man 4 Nm nicht überschreiten. Bei mir haben sogar 3 Nm gereicht, damit die Hebel und der Lenker bombenfest sitzen. Ohne elektronische Schaltung müssen noch die Schaltzüge eingefädelt und Schaltung eingestellt werden. 

8. Lenkerband drauf und ab gehts 😃

Für den Umbau habe ich ungefähr 2½ Stunden benötigt. 

Unruhiges Fahrgefühl, weniger Stabilität und schlechtere Atmung?

Man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass ein schmaler Lenker eventuell Veränderungen in den Fahreigenschaften mit sich bringt. Anders als oft behauptet finde ich aber nicht, dass es die Atmung einschränkt. Oft hält man die Hände auch bei großen Lenkern eng zusammen, wenn man in Oberlenkerposition fährt ohne gleich schlecht Luft zu bekommen. Wer jedoch oft sehr steile und lange Anstiege fährt, sollte vielleicht vorsichtiger sein. Es ist schon so, dass sich ein breiter Lenker tendenziell stabiler anfühlt, wenn man im Wiegetritt ist oder in eine schnelle Abfahrt fährt.

Ich denke vorallem aber, dass es eine Frage der Gewöhnung ist. Ich komme super mit meinem neuen Setup zurecht. Bereits nach ein paar Minuten geht das neue Fahrgefühl ins Blut über. Das Rad fühlt sich wendiger an, aber läuft immer noch sehr gut gerade aus. Unruhig finde ich das Fahrverhalten also nicht. Auch der Wiegetritt fühlt sich gut an. Wir sind hier auch eher im Flachen unterwegs und ich denke das kleine Tuning hat sich gelohnt. Davon abgesehen sieht das Ding einfach gut aus!

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