Knarzen, Knacken und Quietschen – die häufigsten Ursachen für Geräusche am Rennrad
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Was ihr tun könnt, um störende Geräusche am Rennrad zu beheben

Plötzlich ist es da... wie aus dem Nichts gibt das schöne Rennrad nun störende Geräusche von sich. Die Palette der verschiedenen Geräusche ist dabei genauso vielfältig, wie deren Ursachen. Ein gepflegtes Rennrad sollte aber keines dieser Geräusche erzeugen. Alles was man beim Rennradfahren hören sollte, ist der Freilauf + Gangschaltung, ein Piepen des Radcomputers und eure Schnappatmung am Berg 😋 

Mit der Zeit habe ich viele der störenden Geräusche, die meistens beim Pedalieren entstehen, in den Griff bekommen und möchte euch hier ein paar Tipps geben, wie ihr die Quelle des Übels ausfindig machen und selbst beseitigen könnt. 

Zuerst gilt es, genau hinzuhören. Wann tritt es auf? Ist es während ihr tretet, hört ihr es nur wenn ihr im Sattel sitzt oder vielleicht auch nur im Wiegetritt? Tritt es beim lockeren Pedalieren auf oder nur wenn ihr viel Druck auf das Pedal ausübt? Probiert es aus! Danach könnt ihr vielleicht einige der folgenden Ursachen finden. Ich habe versucht die häufigeren Ursachen zuerst zu nennen.

Geräusche beim Fahren im Wiegetritt 

Pedale oder Kettenblatt: Pedale lösen, säubern, fetten und neu montieren. Prüft nach, ob die Pedale sich leise und sauber drehen oder ob sie auf der Pedalachse rutschen. Macht das unbedingt an beiden Seiten, denn manchmal verschätzt man sich einfach bei der Ortung des Geräuschs. Eventuell sind auch die Pedallager verschlissen. Bei einigen Modellen können diese ausgetauscht werden. Im Zweifel könntet ihr auch ein anderes Pedal testen. Als nächstes kommen Kettenblatt und die Kettenblattschrauben in Frage. Auch wenn sie scheinbar bombenfest sitzen... versucht sie zu lösen und in der richtigen Weise wieder festzuziehen. Auch hier kann das Reinigen die Lösung des Problems sein. Durch die hohe Belastung der Bauteile sind sie häufige Quellen für Störgeräusche. Falls ihr euch an die Kettenblattschrauben wagt, dann nutzt die Gelegenheit gleich für eine Reinigung der Kettenblätter. Besonders die Kontaktstellen zur Kurbel können eine Geräuschquelle sein. Wenn ihr ganz sicher sein wollt, dann kann man die Kettenblattschrauben auch mit Schraubensicherung fixieren. 

Bei meinem Cannondale SuperSix Evo hatte zuletzt sogar der Spider knackende bis knarzende Geräusche verursacht. Hier habe ich besonders lang suchen müssen, bis ich den Auslöser fand. Zur Demontage benötigt man allerdings ein spezielles Werkzeug

Lenker oder Vorbau: Im Wiegetritt lastet mehr Gewicht auf dem Lenker und dem Vorbau. Wenn das Geräusch von hier kommt, lässt es sich schnell beheben, denn meistens liegt es an  Verspannungen der Schrauben und Bauteile. Löst die Schrauben der Lenkerklemmung. Entnehmt und säubert die Schrauben sowie die Kontaktstelle des Lenkers und des Vorbaus. Auch die Gewinde solltet ihr reinigen. Achtet beim Festziehen darauf, dass die Vorbauplatte gerade und gleichmäßig angezogen wird. Die Schlitze zwischen Vorbauplatte und Vorbau sollten überall gleich breit sein. Zieht alles mit dem empfohlenen Drehmoment vorsichtig an und geht dabei schrittweise (am besten über Kreuz) vor. Das ist sehr wichtig, um Stürze durch zu lose Verbindungen oder Schäden am Material zu verhindern. Prüft auch, ob die Gewinde alle noch intakt sind und ob sich die Schrauben gut eindrehen lassen und sauber greifen.

Innenlager/Tretlager: Geräusche aus dem Innenlager unterscheiden sich oft durch die Lautstärke. Wenn das Lager kaputt oder lose ist, kann man das meistens ziemlich laut hören - oft ein Mal pro Kurbeldrehung. Hier hilft neben dem Austausch auch manchmal die Neumontage. Das kommt sehr auf den Zustand des Lagers und die Distanz an, die es bereits hinter sich hat. Bei einer Laufleistung unter 10.000 km, sollte das Lager in den allermeisten Fällen noch gut funktionieren. Manchmal werden aber sogar bei Neurädern bereits während der Erstmontage Fehler gemacht.   

Vorbau oder Gabel: Half das alles noch nicht, so kann auch die Gabelschaftklemmung des Vorbaus Geräusche verursachen. Das Vorgehen bleibt aber gleich. Säubert die Schrauben, Gewinde und Kontaktstellen. Wenn das auch nicht hilft, könnte es an einer schlecht eingestellten Gabel liegen. Alles lösen und das Spiel der Gabel neu einstellen. Versucht die Ahead-Kappe nach dem justieren und montieren etwas zu lösen. Wenn der Vorbau fest ist, kann hier nichts passieren, aber die Kappe kann bei großer Belastung auf dem Vorbauende hin- und herrutschen. Manchmal knackst es auch dann. Eventuell hilft auch etwas Fett an der Unterseite der Kappe. Im Normalfall sollte das jedoch nicht notwendig sein.

Laufräder oder Schnellspanner: Auch die Schnellspanner und die Radaufnahmen und Achsen können zu Geräuschen führen. Hier führt eine Reinigung der Kontaktstellen und neues (möglicherweise nicht zu festes) Anziehen der Schnellspanner zur Besserung. In seltenen Fällen können auch die Lager des Laufrads die Ursache sein. Prüft, ob die Lager geschmeidig laufen und die Laufräder kein Spiel auf der Achse haben. 

Kette: Die Kette verursacht in der Regel eher ein ständiges Quietschen. Diese sollte man säubern und ölen oder vielleicht besser gleich austauschen. Eine Kette kostet nicht so viel und sollte sowieso regelmäßig gepflegt und getauscht werden. Es kann natürlich auch sein, dass die Schaltung nicht korrekt eingestellt ist und die Kette deswegen nicht sauber auf den Ritzeln läuft. 

Geräusche beim fahren im Sattel

Sattel oder Sattelstange: Ihr wisst schon. Sauber machen und neu montieren. Meistens ist die Klemmung des Sattels das Problem. Besonders dessen Schraube und Gewinde verschmutzen schnell durch Regenfahrten. Irgendwann korrodieren die Kontaktstellen und verursachen das Geräusch. Für Carbonteile wie z.B. Sattelstütze und Carbonrahmen, sollte am besten Montagepaste genutzt werden. In seltenen Fällen kann auch das Gestänge des Sattels selbst knacken und knarzen. Auch hier könntet ihr zum testen einen anderen Sattel montieren. 

Geräusche beim rollen oder einlenken

Wenn euer Rennrad beim bloßen Dahinrollen Geräusche verursacht, kann das eigentlich nur noch an den Lagern der Laufräder liegen. Seltener können auch die Speichen bzw. deren Nippel in der Felge knacken, wenn man langsam fährt. Vielleicht passt dann die Speichenspannung nicht, das kann man aber aus der Ferne nicht so genau sagen. Manchmal knarzen die Speichennippel, oder die Speichen reiben aneinander. Ein Tropfen Öl kann vielleicht Abhilfe schaffen. Treten die Geräusche nur auf, während ihr auf dem größten Ritzel fahrt, schleift wahrscheinlich euer Schaltwerk an den Speichen. Das müsste sofort behoben werden, um Schäden oder Stürze zu verhindern.

Geräusche beim Einlenken kommen meist durch zu starre Zughüllen zustande. Manchmal hilft es, wenn man die Endkappen etwas fettet. Besonders dort, wo Züge in den Rahmen führen kann das helfen. Ich persönlich nutze die Zughüllen von Jagwire und bin sehr zufrieden, da diese sehr flexibel sind. In seltenen Fällen wird es aber auch durch die Lager des Steuersatzes verursacht. Während das zuerst Genannte nicht so schlimm ist, sollten sämtliche Lager am Rennrad einwandfrei funktionieren. Natürlich kann auch das Steuersatzlager defekt sein.

Bis auf Lenker/Vorbau kommen hier auch alle oben genannten Ursachen in Frage. Vieles davon ist zum Glück schnell behoben. Falls ihr nicht wisst, wie die Montage der einzelnen Teile funktioniert, schaut auf euch Youtube um. Oft gibt es Tutorials und man benötigt nur einige Sechskant-Schlüssel. 


Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen persönlichen Erfahrungen helfen, die Ursache zu finden. Die Liste ist zwar lang, aber mit etwas Erfahrung hat man die meisten Ursachen schnell entdeckt. Mit der Zeit erkennt man schon am Geräusch, wo es herkommt. Vielleicht kennt ihr auch noch weitere Quellen für Geräusche? Schreibt es mir gerne in den Kommentaren.

Bis zum nächsten Mal auf roadbikelife. 

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