Ein langer Tag im Sattel - Maurice Brocco 400

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Über 400 Kilometer im Schnelldurchlauf

Im Jahr 2016 nahm ich zum ersten Mal an der 24-h-challenge Maurice Brocco 400 teil. Bis jetzt dachte ich, dass es auch das letzte Mal gewesen sein sollte. Noch gut kann ich mich an die schmerzenden Hände und Füße erinnern. Ich war stolz es geschafft zu haben, aber sonst ziemlich am Ende der Kräfte. Damals fuhren wir eher locker und der Fokus lag weniger auf dem Tempo. Viel mehr galt es die lange Distanz zum ersten Mal zu absolvieren. Am Ende waren wir über 18 Stunden unterwegs und fuhren durch die ganze Nacht bis in die Morgenstunden hinein. 

Seitdem ist viel passiert. Die Feierabendrunden wurden schneller und die Wochenendtouren länger sowie intensiver. Viele Events und Rennen wurden seitdem gefahren und über die Zeit hinweg hat sich damit auch die Form verbessert, obwohl ich auch nicht jünger geworden bin 😉 

Auch das MB400 wurde in den Folgejahren veranstaltet, allerdings fand es durch Corona seit 2020 als selbst organisierte Tour statt. Das heißt unter anderem, dass es, anders als in den Jahren zuvor, zwar Checkpoints gab, aber man sich selbst verpflegen musste. Das hat allerdings den Vorteil, dass man sich den Zeitpunkt der Abfahrt selbst aussuchen kann. Auch die Strecke war dieses Jahr mit weniger Höhenmetern als sonst gespickt. Zusammen mit den Mitfahrern, die sich ankündigten, spekulierte ich auf einen wesentlich höheres Tempo und somit auf eine kürzere Fahrtzeit. Vielleicht wird es dann ja nicht so schmerzhaft dachte ich mir. Ansonsten fühlte ich mich fit und der Tour sollte eigentlich nichts im Weg stehen.  

Vorfreude und ein bisschen Aufregung

In den Tagen vor der Tour habe ich es etwas ruhiger angehen lassen um mich nicht zu sehr vorzubelasten. Ein bisschen aufgeregt war ich aber schon, denn ganz ohne war es ja damals nicht. 

Am Samstag morgen gegen 05:45 Uhr starteten wir in einer Gruppe von 10 Fahrern in das ca. 100 km entfernte Bad Liebenwerda, wo wir unsere erste kleine Verpflegungspause planten. Auch das Wetter war trocken und warm somit benötigte ich keine extra Tasche am Rad, denn bis auf eine kleine Powerbank zum Laden des Radcomputers und ein paar extra Gels benötigte ich nicht mehr Dinge als auf einer gewöhnlichen Wochenend-Runde. 

Im Gegensatz zu damals konnte ich so eine lange Tour nun auch viel erfahrener angehen, gerade was die Verpflegung angeht. Früher habe ich oft zu spät und auch zu wenig gegessen und getrunken. Bemerkt man die ersten Leistungseinbrüche, ist es schwer sie zu überwinden, selbst wenn man etwas isst. Neben fester Nahrung versuche ich auch viele Kalorien über die Getränke zu mir zu nehmen, wofür Maltodextrin in das Getränk gemischt werden kann. Maltodextrin gibt es pur oder als Getränkepulver mit Geschmack und Elektrolyten zu kaufen und eignet sich hervorragend um noch einige Kalorien aufzunehmen, die den Magen nicht so sehr belasten wie Riegel oder Gels.

Auf so langen Distanzen ist es nicht leicht dem Körper diese enormen Energiemengen bereit zu stellen ohne Beschwerden wie Magenproleme auszulösen. Bei dieser Tour hatte ich einige hundert Gramm davon in einem Zipper-Beutel verpackt dabei. Das sieht zwar etwas illegal aus, hilft aber deutlich auf langen Distanzen. 😁

Einen guten Tag erwischt: die ersten 250 km gingen wie von allein 

Weiter ging es mit hohem Tempo zum Checkpoint an der Radrennbahn Cottbus. Kurz vorher konnten wir uns auch etwas zu Essen kaufen. Dadurch, dass die Supermärkte offen hatten, mussten wir auch nicht viel Proviant mitnehmen. 

Weiter ging es zur nächsten Mahlzeit... ähm ich meine Checkpoint. Die Kilometer häuften sich langsam an, auch wenn ich die Distanzanzeige auf dem Radcomputer vorsichtshalber ausblendete, um mich nicht vorzeitig zu entmutigen. Vorbei ging es an Bautzen in Richtung Meißen.

Hier wurde die Strecke auch ein wenig abwechslungsreicher, was die Landschaft und das Profil betrifft. Der Wind spielte zum Glück gut mit und auch die Gruppe funktionierte. Unsere Zugpferdchen haben viel Führungsarbeit geleistet (Respekt an der Stelle!), aber natürlich gibt es immer wieder Situationen, in denen man allein und damit ohne Windschatten an die Gruppe heranfahren muss, was auf Dauer ziemlich anstrengend werden kann. Auch an den Anstiegen muss jeder sein eigenes Gewicht den Berg "hoch tragen".

Die Zeit wurde allerdings langsam knapp, denn die Pausen zogen sich etwas in die Länge und ich hatte auch noch einen platten Reifen, den ich schnell reparieren musste während ich mich für meinen geflickten Latexschlauch verteidigte, den ich aus der Satteltasche zauberte 😀 Rollt wieder! Nur noch wenige Kilometer bis nach Hause. Man fliegt bereits wieder an Ortschschildern vorbei, an denen man schon irgendwann einmal entlang gesprintet ist. Am Ende lief es für mich ziemlich gut. Das Bike und die Körper haben gut funktioniert und es waren sogar noch ein paar kleine Reserven vorhanden.

Ich hoffe das Maurice Brocco 400 kann im nächsten Jahr wieder mit gewohnter Organisation statt finden. Vielleicht seid ihr ja auch einmal mit dabei. Ich kann es euch sehr empfehlen, einmal bei diesem Ritt dabei zu sein! 

zur Website des Maurice Brocco 400

 

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